Ikone des vereinten Europas

Als sich der Eiserne Vorhang zu öffnen begann, strömten sie massenweise hinaus: Trabis. Diese knatternden und bei kaltem Motor eine blaue Wolke von sich stossenden kleinen Gefährte aus dem VEB (Volkseigener Betrieb) Sachsensring – Automombilwerke Zwickau. Für die Fahrt vom Willisauer Vatikan hinauf zum Kottwiler Europaplatz sollte deswegen just ein solches Gefährt als Transportmittel dienen.

Im Luzerner Hinterland sind diese Ikonen des zusammenwachsenden Europas jedoch nicht zu finden. Auch im Kanton Luzern sind die rar. Auf Vermittlung des Trabant-Club Schweiz nahm schliesslich der 71-jährige pensionierte Buchhalter René Bipp die Reise nach Willisau auf sich.

DSC_0001 KopieAm Freitag, 25. Juli 2014, fuhr er mit seinem bordeaux-violetten „Trabant 601 S de luxe“ bei der Redaktion des WB vor und holte die Weltreisenden Fabienne Muri und David Koller ab. Luxuriös ist allerdings einzig die Typenbezeichnung. Denn im Innenraum des Fahrzeugs geht es spartanisch zu und her.

Die Farbe von René Bipps Trabi ist nicht original. Sie ist eine der Änderungen, die er  während der 300 Stunden dauernden Renovation des Fahrzeugs anbrachte. Ansonsten aber achtete er darauf, dass das Auto in möglichst originalgetreuem Zustand blieb.

Kaufpreis von 1500 DM

Erwachsen ist René Bipps Liebe zum Trabant Anfang der 1990er-Jahre, als er zusammen mit seiner Frau mit dem Wohnwagen die Ex-DDR bereiste. Wobei, für ihn war es zuerst gar keine Liebe. „Wir fuhren an einer Trabi-Garage vorbei. Meine Frau wollte eines dieser Autos.“ Er allerdings sei vorerst dagegen gewesen, sagte dann aber doch zu. Gerade einmal 1500 DM bezahlte das Ehepaar für ein Fahrzeug mit Jahrgang 1993.

Heute hat das selbe Auto Jahrgang 1975. Wie das? „Über den Trabant-Club Schweiz bekam ich ein neues Chassis“, sagt René Bipp. Und das ist es, was zählt. Der Vorteil des Umbaus: Nun gilt das Auto als Oldtimer, dadurch war eine Zulassung in der Schweiz erst möglich.

Ungefähr 110 Kilometer pro Stunde bringt der 24-PS-Zweitaktmotor hin. Allerdings ist René Bipp kaum auf der Autobahn unterwegs. Das Tuckern übers Land sagt ihm mehr zu. Und obwohl die Leistung bescheiden sowie das Gewicht mit 600 Kilo im Vergleich zu heutigen Zwei-Tonnen-Autos schon fast nicht mehr erwähnenswert ist, hat der leichte Ostdeutsche ordentlich Durst. Zwischen 9 und 10 Liter genehmigt er sich auf 100 Kilometer.

Unterschätzen sollten man den kleinen Schluckspecht nicht. Den steilen Anstieg von Kottwil übers Kidli zum Europaplatz schaffte er noch im zweiten der vier Gänge.

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Unterwegs im Auftrag der Weltenbummler: Typenschild des Trabants, der die WB-Reisenden zum Europaplatz in Kottwil brachte.  

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