Sommerserie 2014 – Weltreise

…und noch ein paar Feriengrüsse zum Abschluss der Sommerserie 2014

Auch nach dem Abschluss der Sommerserie erreichen uns noch Postkartengrüsse unserer Leserinnen und Leser. Herzlichen Dank!

Die Feriengrüsse der WB-Leser, Teil 2

Wir haben für unsere Sommerserie unsere Leserinnen und Leser gebeten, uns Postkarten aus ihren Ferien zu schicken. Hier die zweite Serie mit Grüssen aus Österreich, Spanien, den USA, Kanada und sogar aus Grönland. Vielen Dank an alle, die uns ihre Grüsse geschickt haben!

Eine Weltenbummlerin berichtet

Die Sommerserie überwindet Grenzen: In der Rubrik „Weltenbummler“ berichten Personen aus unserer Region von ihren Erlebnissen in einem fernen Land. So auch die Altbürerin Linda B. Sassi, die momentan in Tunesien weilt. Da in der Printausgabe nur ein Aspekt ihres Berichtes zur Sprache kommt, veröffentlichen wir ihren Text an dieser Stelle ganz. Mit Grund: Die 20-Jährige Rechtsstudentin erzählt spannend aus einem Land, das sich nach der Revolution in einem starken Wandel befindet.

Wenn man nach Tunesien in den Urlaub fährt, so wird man sich sehr wahrscheinlich für eine Destination à la Nabeul, Monastir oder Djerba entscheiden. Dabei gibt es eine weitere Stadt, die es würdig ist, bereist zu werden. Bizerte, die nördlichste Stadt ganz Afrikas und Besitzerin des meistumstrittenen Hafens in der Geschichte Tunesiens. Bizerte ist auch das letzte Stück Land, das von den Franzosen widerwillig zurück gegeben worden ist. In dieser Stadt besitzen meine Eltern ein Ferienhaus, in dem meine Familie und ich gerne und häufig unsere Ferien verbringen, so auch dieses Jahr.

Es ist der erste Tag nach Ramadan. Hier besser bekannt unter „ Eid-al-Fitr“ . Es ist der Tag, an dem es Süsses in Hülle und Fülle gibt, die Familie besucht wird und der Tag, an dem die Kleinen, wie auch die Grossen ihre neuen Kleider aus den Schränken herausholen und sich damit gegenseitig auf der Strasse auszustechen versuchen – je mehr Rüschen, Schleifchen und Glitzer dabei das Kleidchen hat, desto besser. Immer mit dabei ist auch ein kleines Täschchen, das die Kleinen mit stolzgeschwellter Brust zur Schau stellen. Je nachdem wem sie dabei begegnen, werden ihnen auch gleich die darin versteckten Schätze gezeigt: Die sogenannte Mahba. Eine „Ma-h-ba“ ist ein kleiner Geldbetrag, den die Kinder kriegen, sobald sie Familie, Bekannten und Nachbarn zu diesem Tag gratulieren. Der Geldbetrag ist dabei nicht wirklich gross und bewegt sich meist so zwischen einem und zehn Dinar.

Auf dem Markt

Meine kleine Cousine war am Ende des Tages zu mir gekommen und zeigte mir stolz ihre „Mahba“. Sage und schreibe 72 Dinar hatte sie sich ergratuliert und grinste mich an, fragte mich, wie viel ich denn gekriegt habe. Ein Blick auf meine leeren Hosentaschen genügte und sie zog triumphierend ab. Nächstes Jahr müsse ich ihr dann auch eine Mahba geben, weil ich ja nun auch schon zu den Grossen gehöre, meinte sie. Kurz darauf fragte mich auch schon meine Tante, ob ich mit in die Stadt kommen und sie und die Kleinen begleiten wolle. Meine Zustimmung entpuppte sich als kleine Tortur, denn die Sonne war selbst gegen 17 Uhr noch so stark, dass ich mir bei jedem Schritt wünschte, mir vorher einen Eisblock auf den Kopf gebunden zu haben. Die Kleinen störte es wenig und auch ich verfiel allmählich dem Zauber des Marktes der kleinen Stadt. Buntes Spielzeug, Eis- und Popcornstände wohin das Auge blickte und ganz besonders auffällig waren die strahlenden Augen der Kinder, die entweder Hand in Hand mit ihren Eltern oder grossen Brüdern und Schwestern umherspazierten und sich gar nicht recht entscheiden konnten, wofür sie denn nun ihr Geld ausgeben wollten. Als meine kleine Schwester (8) mit ihrer Beute zu mir zurückkam, konnte ich nicht anders und ergaunerte mir mit einem Hundeblick und ein paar Sätzen ein wenig von ihrem Geld, um mir endlich ein Pistazieneis gönnen zu können.

Waghalsige Rückfahrt

Zufrieden mit mir und der Welt machten wir uns auf den Weg zurück zum Haus meiner Großmutter, in dem wir an diesem Tag zu Besuch waren. Es wurde noch zusammen gegessen, bevor sich meine Familie und ich langsam wieder auf den Heimweg machten. Mit unserem Auto fuhren wir zurück, an den alten Häusern und dem Militärstützpunkt vorbei, in Richtung Bizerte. Der Kommentar meines Vaters zum Fahrstil der Tunesier: „Wer hier fahren möchte, braucht mindestens acht Augen, einen siebten Sinn und eine Portion Gelassenheit!“ Eine einspurige Fahrstrecke vor der Brücke wird hier schnell zu einer dreispurigen Fahrbahn. Papa nahm es gelassen, grinste amüsiert und deutete aufs Trottoir. Zwei junge Polizisten in ihren schwarzen Uniformen standen dort, sahen dem Chaos zu und zündeten sich bequem eine Zigarette an. Was hätten sie auch tun sollen? Das war hier nun einmal üblich – und das seit Jahrzehnten.

Die Wahlplakate am Wegrand

Wir setzten unseren Weg fort, an einem Plakat vorbei, das meine Aufmerksamkeit beanspruchte. Mein Vater übersetzte die arabische Schrift mit: „Geh wählen“, denn im September würden zum zweiten Mal nach der Revolution Wahlen stattfinden. In den Zeitungen, Medien als auch an den Familientischen ist immer wieder die Rede von den Wahlen. Einige Politiker werden dabei beschimpft, andere gelobt. Interessant bei allen Diskussionen war dabei, dass ich fast niemanden traf, den das Thema kalt liess. Gleichzeitig lies fast jeder Tunesier keinen Zweifel aufkommen: Das Land wird den Schritt in die Zukunft schaffen, die herrschenden Probleme in den Griff bekommen. Die Leute beklagten sich vor allem über die miese Bezahlung, die sie zum Beispiel für ihre Paprikas an den Märkten erhalten, während andere Lebensmittelprodukte im Preis steigen und steigen. Leiser folgten dann meist Sätze wie : „In ein paar Jahren wird es wieder aufwärts gehen. Inshallah“ oder „ Und selbst wenn…. wir leben weiter“ . Das waren Sätze, die Mut machen, dass Tunesien zu einem demokratischen und stabilen Land heranwächst.

Vieles hat sich in diesem Land bereits verbessert, dennoch befindet sich Tunesien noch immer auf einem steinigen Weg, den es zu bezwingen gilt. Sie haben es bereits geschafft, gemeinsam eine Revolution in Gang zu setzen. Nun gibt es kein Zurück mehr, denn genau wie der kleine Junge auf der Brücke bei Bizerte, der sich getraut hatte in den Fluss zu springen, gilt es wieder aufzutauchen und triumphierend zurückzublicken.

Linda B. Sassi

 

 

 

Vom Himmelreich ins Himmelreich und zurück

Es  blieb an diesem Tag nicht nur beim Abstecher von Pfaffnau nach Grosswangen:  Oskar Steiner lud den 90-jährigen Himmelreich-Bewohner Vinzenz Röösli zu einem himmlischen Rundflug ein. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Maria Schwegler sah er sein Heimetli und anschliessend die ganze Region von oben. Hier die Diashow des Ausfluges:

Mit einer Reisegeschwindigkeit von rund 180 Stundenkilometern gings mit Oskar Steiner also direkt vor der Haustüre ab in die Lüfte, via Menznau nach Luthern. Dorthin, wo Vinzenz Röösli einmal mit einem 315 Franken teuren «Rolls Royce» aufkreuzte und in den siebten Himmel tanzte. Im heutigen Böttu erzählt er die Geschichte dazu und gibt Einblick in längst vergangene Zeiten. Doch zuvor erzählt ein strahlender 90-Jähriger, wie ihm sein erster Helikopterflug gefallen hat:

Der „Böttu“ fliegt ins Himmelreich

Standesgemäss ins Grosswanger Himmelreich reisen – der letzten Station der WB-Weltreise: Helipilot Oskar Steiner  ermöglichte dies – gratis und franko notabene.“Ich bin ein begeisterter Leser der Sommerserie. Klar, dass wir dabei mitmachen“, sagte Steiner, der seit nunmehr 15 Jahren die Swiss Helicopter Basis in Pfaffnau leitet. Sein Einsatzleiter Simon Baumann machte den

Eurocopter EC 120BColibri“ am Dienstagmorgen startklar, schob mit einem elektrischen Hangar-Wagen den 1060 Kilo schweren und mit zusätzlich 150 Kilo Kerosin betankten „Vogel“ ins Freie. Nach dem ersten Interview hiess es einsteigen.

 

Beim Blick ins Cockpit eines Helikopters kann es Laien beinahe schwindlig werden. Überall blinken Lämpchen und Bildschirme, überall sind Knöpfe und Schalter. Wozu sie dienen? Pilot Oskar Steiner erklärts:

 

 

 

Eselstute «Beauty» und ihr Transfer von Flamatt ins Wiggertal

«Pass bloss auf, mit einem Esel wirst du noch dein blaues Wunder erleben», warnte WB-Redaktor Norbert Bossart seine Kollegin vor der Reise. Seine Befürchtungen waren umsonst, wie die Impressionen von der Wanderung beweisen:

Auf der Suche nach ihrem tierischen Begleiter war WB-Redaktorin Fischer beinahe auf den Hund gekommen. «Grüezi, kennen Sie einen Eselbesitzer namens Josef?» – Samichlausgesellschaft um Samichlausgesellschaft fragte sie an. «Heureka!» rief sie letztlich am Draht mit Dagmersellen: Familie Steiner vom «Weidhof» sagte «Ja» – und dies obwohl ihre Eselstute «Beauty» ausgerechnet diesen Sommer bei Bekannten in Flamatt weilte und erst noch ins Wiggertal reisen musste. Die beste (und überdies nicht ganz ernst gemeinte) Antwort auf die Frage «Haben Sie einen Esel?» soll Bloglesern übrigens nicht vorenthalten bleiben: «Ja, mein Mann, aber der ist momentan nicht zu Hause.»Bethlehem19

«Beauty» war nicht nur eine Schönheit, sondern verhielt sich auch wie eine Beauty-Queen: Um jede Regenpfütze machte sie einen grossen Bogen.

Die Reise konnte ihr übrigens nicht genug schnell gehen. Als Josef und Rita-Maria in Nebikon eine Rast einlegten, hatte «Beauty» bereits wieder Stalldrang. Zum Glück hatte «Eseltreiber» Florian schnell ein Rüebli zur Hand.Bethlehem11

Eselstute «Beauty» verdankte die Gastfreundschaft des Ehepaars Stocker übrigens auf ihre Weise: mit einem schönen Häufchen:

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Rita-Maria bringt Glück

An der Luther, mitten auf dem Weg nach Bethlehem, bleibt Rita-Maria Bättig stehen, bückt sich und hat mit einem Griff ein vierblättriges Kleeblatt in der Hand. «Wenn man es am wenigsten erwartet, sticht einem der Glücksbringer ins Auge», sagt die Kottwilerin. Wer explizit danach suche, der finde kein einziges. Von ihren Spaziergängen durchs Moos oder Richtung Kidli bringt sie regelmässig ein Stück Glück in grün nach Hause.

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