Sommerserie 2013 – Hausbesuch

Auf Wiedersehen und bis im nächsten Sommer

Obwohl das Wetter gerade etwas nass daherkommt, ist der Sommer natürlich noch lange nicht vorbei (hoffen wir zumindest). Das gilt leider nicht für unsere Sommerserie 2013.

Alle Hausbesucherinnen und Hausbesucher (ausser jenen, die gerade ihre verdienten Ferien geniessen) sind wieder wohlbehalten auf der Redaktion und im Alltag des Zeitungsmachens angekommen.

Wir hoffen, wir konnten Sie mit unseren Texten, Fotos und Videos von unseren Hausbesuchen in den letzten Wochen unterhalten, Ihre Neugierde wecken, zum Schmunzeln aber auch zum Nachdenken anregen.

Unseren Gastgeberinnen und Gastgebern danken wir nochmals vielmals für ihre herzliche Aufnahmen sowie ihre Geduld und Toleranz gegenüber den nicht ganz alltäglichen Besuchern, welche für einen kurzen Moment Teil ihres Lebens wurden und dieses nach aussen trugen.

Wer dem WB-Team und dem Geschehen in der Region auch im restlichen Jahr online folgen will, kann das auf http://www.willisauerbote.ch tun, auf Twitter auf http://www.twitter.com/WillisauerBote, auf Facebook auf http://www.facebook.com/Boettu.

Euer Böttu-Team

Heidegg und WB tauschen die Ringli

Ringli tauschen auf Schloss Heidegg.

Ringli tauschen auf Schloss Heidegg.

Es ist Zeit um Adieu zu sagen. Vorbei ist für Journalist Bossart das feudale – oder besser interessante – Leben auf Heidegg. Aus dem König wird wieder ein Diener auf der Redaktion. Ich habe mich verliebt in dieses Schloss und die Familie Ruckstuhl-Bättig liebgewonnen.

Von Herzen schenke ich meinen Gastgebern ein kleines Dankeschön. Willisauer Ringli. Süssigkeiten, die uns beiden schmecken. Mit Grund.

Denn vielleicht stammen die allerersten Willisauer Ringli vom Schloss Heidegg. So jedenfalls überliefert es Kunigunde Maurer-Brun, die Schwiegertochter des Bäckermeisters Heinrich Maurer. Maurer stellte um 1850 in Willisau als erster Ringli nach dem Ursprungsrezept her. Er gab ihnen den Namen Willisauer Ringli. Das streng gehütete Rezept hatte ihm Martha Maurer-Peyer in die Ehe gebracht. Sie habe das Gebäck als Hausdame bei einer Tante auf Schloss Heidegg kennengelernt. Diese Tante könnte Elisabeth Dula aus Willisau gewesen sein, die Gattin von Alphons Pfyffer von Heidegg.

Mehr zur WB-Sommerserie, Teil 6, in der WB-Dienstagausgabe und unter http://www.willisauerbote.ch.

Ferien machen auf Schloss Heidegg

Familie Wolf-Blunschi aus Zürich machte in der Ferienwohnung auf Schloss Heidegg Urlaub.

Familie Wolf-Blunschi aus Zürich machte in der Ferienwohnung auf Schloss Heidegg Urlaub.

Benjamin (5) hat Freude an Rittern und Burgen. «Wir wollten ihm ein besonderes Ferienerlebnis ermöglichen», sagt Rita Wolf-Blunschi. «Hier, auf Heidegg, konnte er drei Tag lang leben wie ein kleiner König.» Per Zufall hat die Familie aus der Stadt Zürich von der Ferienwohnung im Herrenhaus auf Schloss Heidegg gehört. «Ein Glücksfall», sagt Bruno Wolf (45). Die Wohnung ist 112 Quadratmetern gross und mit antiken Möbeln eingerichtet. «Die Aussicht ist fantastisch, die Stimmung auf dem Schloss friedlich.» Moderat sei der Mietpreis für die drei besonderen Ferientage: 300 Franken plus 12 Franken pro Person für die Bettwäsche und 80 Franken für die Reinigung. Diese Ferienangebot sei «sehr empfehlenswert». Lachend fügt Rita Wolf an: «Schreiben Sie dies nicht im Blog. Denn wir möchten nächstes Jahr eine ganze Woche hier verbringen können.»

Aber hallo. Auch Journalist Bossart will auf das Schloss zurückkehren. Im Sommer 2014. Mit seiner Familie. Aber statt wie heuer zu arbeiten im Herrenhaus mit seiner Familie Urlaub machen.

Blick in ein Schlafzimmer.

Blick in ein Schlafzimmer.

Blick in die Stube.

Blick in die Stube.

Der Hausgeist und die guten Geister im Schloss

Ines Ruckstuhl-Bättig tischt mit ihre Hausspezialität auf: Speckbrot mit Baumnüssen.

Ines Ruckstuhl-Bättig tischt mit ihre Hausspezialität auf: Speckbrot mit Baumnüssen.

Gibt es einen Schlossgeist? «Einen aktiven, greifbaren gibt es nicht. Zumindest ich habe keinen gesehen», antwortet Ines Ruckstuhl-Bättig. «Aber es weht ein guter Geist über dem Schloss.» Und es arbeiten viele gute Geister auf Heidegg. Auch sie selbst ist so einer. So hat sie mir einen Apéro aufgetischt. Dazu selbst gebackenes Speckbrot mit Baumnüssen. Das Rezept für ihre Hausspezialität verrät sie der WB-Leserschaft in der Dienstagausgabe.

Liebesgrüsse von Heidegg

Familie Wölke aus Karlsruhe kreiert für die Grossmutter in Tasmanien eine Postkarte.

Familie Wölke aus Karlsruhe kreiert für die Grossmutter in Tasmanien eine Postkarte.

Im fünften Stock des Schlossturms geht die Post ab. Im Gang ist hier eine Sonderausstellung zur Post Gelfingen. Sicht- und hörbar macht Kurator Dieter Ruckstuhl dabei auch Postkarten von anno dazumal. Mit interessanten Liebesgrüssen. «La meilleure des nouvelles de Marie-Louise (= Frédéric)», schreibt Marie-Gabrielle beispielsweise über ihre Schwester am 8. Oktober 1907 und mahnt, den Namen des Zukünftigen nicht zu verraten. «For moment strictly private» (noch topgeheim). Schwester Mathilde schickt ihrem eigenen Mann eine Karte vom Schloss. «1’000’000 b.» Das b. steht für «baisers», also «Küsschen». Und neue Liebesgrüsse verlassen das Schloss Tag für Tag. So können Besucher eigenhändig Postkarten kreieren. Wie etwa Familie Wölke aus Karlsruhe. Das Quartett ist auf Urlaub und lässt die Grossmutter in Tasmanien grüssen.

Und ich: Schicke eine Karte an meine Liebsten nach Schötz. B-Post reicht. Sie wird sowieso nach mir Zuhause eintreffen, da ich in wenigen Stunden meine Rückkehr antrete.

Heidegg – das Liebesnest

Es war Liebe auf den ersten Blick, die zum Erhalt dieses Schlosses beitrug. Und eine zufällige Begegnung auf der Luzerner Kapellbrücke im Juni 1869. Louis Pfyffer von Heidegg (31), Nachfahre des Schweizer Königs Ludwig Pfyffer von Altishofen, trifft über der Reuss auf die blutjunge Amerikanerin Caroline Slidell (19).

Louis Pfyffer von Heidegg.

Louis Pfyffer von Heidegg.

Caroline Slidell

Caroline Slidell

Sie verlieben sich auf Anhieb. Die Dame stammt aus reichem Haus, ihr Vater, ein Senator, hatte in Paris als Botschafter gewirkt. Mit Geld aus der Neuen Welt kann Pfyffer, ein verletzter Söldner, das Schloss Heidegg kaufen. Die Pfyffer hatten vier Töchter, keine hatte Nachkommen. Zwei von ihnen, Mathilde von Glutz und Marie-Louise de Chambrier, lebten bis zur ihrem Tod auf Heidegg. Sie vermachten 1950 dem Kanton das Schloss.

Kurator Ruckstuhl kennt viele, sehr viele Liebesgeschichten, die auf dem Schloss ihren Anfang oder ihr Ende nahmen. So berichtet er von Elisabeth Pfyffer, der Zweitgeborenen, «der hübschesten der Vier», die Vaters Bruders Sohn heiratete. Hätten sie Kinder gehabt, wäre so das Geschlecht Pfyffer von Heidegg weiter bestanden. Doch der Liebe zwischen Cousin und Cousine war kein Glück beschieden. Georges Pfyffer erkrankte während des Krieges und verstarb in Paris nach liebevoller Pflege von Elisabeth.

Die Jüngste der letzten vier Pfyffer Töchter hatte ihr Herz an Max Pfyffer von Altishofen verloren. «Sie war die beliebste des Quartetts im Seetal», berichtet Dieter Ruckstuhl. «Weil sie mit den Menschen auf gleicher Augenhöhe sprach und ein offenes Herz für die Kinder hatte.» Zur Heirat mit Max Pfyffer kam es trotz Verlobung nicht. Sie verstarb Ende des Ersten Weltkriegs an der heimtückischen Spanischen Grippe. Die hatte sie sich bei ihrem Einsatz als Krankenschwester in den Kriegslazaretten geholt. Max Pfyffer besuchte noch Jahre danach ihre Mutter auf dem Schloss. «Davon zeugen die Einträge im Gästebuch», sagt Ruckstuhl.

Keine schriftlichen Belege gibt es hingegen für eine weitere Lovestory. Man schreibt das Jahr 1795. Auf der Flucht vor einer unerwünschten Heirat findet Marie Thérèse Charlotte de France im Schloss Heidegg Aufnahme. Hier kann sie sich zusammen mit ihrem Geliebten von der Flucht und den für sie schlimmen Auswirkungen der Revolution erholen. «Diese Story ist nicht verbürgt», betont Ruckstuhl. «Sie macht aber für Schloss Heidegg weltweit beste Werbung.» Dem Internet sei Dank.

Geschlossene Veranstaltung – WB-Reporter hat Zutritt

Sie geben sich das Ja-Wort.

Sie geben sich das Ja-Wort.

Im Festsaal ging soeben das zivile Hochzeit von Manuela und Carlo Anthamatten über die Bühne. Nur die engsten Familienfreunde waren dazu eingeladen. Mit einer Ausnahme. Zutritt gewährte das Brautpaar auch dem WB. Wie die Feier ablief? Sehr feierlich:

Zuerst spielt Trauzeugin Helene Michlig auf Wunsch der Braut «Ballade pour Adeline» von Richard Clayderman. Darauf spricht die Zivilstandsbeamtin Barbara Burkart zum Paar. Einfühlsam. «Sie beide sagen heute ganz offiziell Ja zu Ihrem Partner, mit all seinen Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten.» Die Zivilstandsbeamtin erinnert mit verständlichen Worten an die wichtigsten Eckpunkte des Ehe- und Güterrechts. «Gemeinsam» heisse das Zauberwort in der Partnerschaft. Wichtig sei der gegenseitige Respekt, das Wichtigste in der Ehe die Liebe: «Es ist jene Kraft, die man überall brauchen kann. Die Liebe vergibt, versteht, hilft und bringt viel Gefreutes.» Und dann sagen sie Ja zu einander, klar und deutlich, küssen sich. Die Gottenkinder bringen die Ringe zum Anstecken. (Freuden)Tränen fliessen im Festsaal. Drei Gäste rezitieren gemeinsam ein Gedicht. «Einander Respekt und Achtung zeigen, gemeinsam in Liebe verbunden bleiben, einander Platz geben und Freiraum lassen, das Lebensdrehbuch gemeinsam verfassen.» Die Trauzeugin setzt sich ein zweites Mal an den Flügel. Der Songtitel spricht für sich. «Can you feel the love tonight» von Elton John. Unterschriften unter die Bestätigung der Eheschliessung. Küsschen hier, Küsschen dort. Und ab gehts zum Apéro. Das Pärchen aus dem Wallis stösst im Schlossgarten mit den Hochzeitsgästen an. Mit Heidegger Weisswein.

Den Ring an den Finger gesteckt.

Den Ring an den Finger gesteckt.

Spielte "Ballade pour Adeline" von Richard Clayderman und "Can you feel the love tonight" von Elton John: Trauzeugin Helene Michlig.

Spielte „Ballade pour Adeline“ von Richard Clayderman und „Can you feel the love tonight“ von Elton John: Trauzeugin Helene Michlig.

Übrigens: Jetzt sind Herr und Frau Anthamatten unterwegs auf den Uffiker «Herzliberg». Und im Schloss sitzt das nächste Paar vor der Zivilstandsbeamtin.