Sommerserie 2016 – Taglöhner

20. Sommerserie ist beendet

Drei Wochen lang gab das Redaktionsteam Vollgas. Ob im Jurtendorf in Luthern Bad, im Recyclinghof Willisau, auf einem Tanker in Antwerpen, in der Küferei Küssnacht, einer Walliser SAC-Hütte oder der Chäsi in Geiss. (Zu) gross war der Ansturm beim 24-Stunden-Service. Die Taglöhner bitten um Verständnis, konnten sie doch leider nicht alle Wünsche erfüllen. Nun kehrt auf unserem Sommerserie-Blog wieder Ruhe ein. Bis die 21. Serie in den nächsten Sommerferien startet…

Im Reich der grossen Taler

Taglöhner Vogel musste für seinen grossen Einsatz früh raus. Um 4.30 Uhr klingelte der Wecker, um 5.00 Uhr stand der WB-Redaktor in Geiss auf der Matte. Bereit, um dem Geheimnis von Emmentaler, „Huus-Mutschli“ und „Dörflichäs“ auf die Spur zu kommen.

Unter den Fittichen von Käsermeister Jules Stampfli arbeitet Vogel in der „Rottal-Chäsi“ Grosswangen, einer modernen Chäsi, in der viele Abläufe automatisiert sind. Stampfli betreibt die Chäsi seit Anfang Jahr.

In Grosswangen ist alles auf eine grosse Produktionsmenge ausgelagert. Bis zu 2000 Kilogramm Emmentaler produziert das Team um Jules Stampfli hier pro Tag. Zwei imposante Käsepressen sowie ein riesiges 12’000-Liter-„Chessi“ bilden das Kernstück der „Rottal-Chäsi“. Taglöhner Vogel darf hier vor allem beim Putzen mit anpacken, reinigt die grosse Presse, hilft beim Boden scheuern oder spült die Milchflaschen mit heissem Wasser aus.

Schauplatzwechsel: Die Chäsi Geiss ist eine traditionsreiche Produktionsstätte. Seit 1897 wird hier Käse hergestellt, seit 1932 unter der Leitung von Familie Stampfli. Jules leitet die Geschicke bereits in der dritten Generation. Anders als in Grosswangen stellt das Team hier auch kleine Käselaibe her. „Dörflichäs“, „Huus-Mutschli“, „Jodlerchäs“, „Geiss-Käsli“ oder „Roter Taler“: Zwölf verschiedene Käsesorten gibt es im Laden zu kaufen.

Käse kehren, Ankemödeli formen und Putzen: Langeweile kommt auch in Geiss keine auf. Eine dampfig heisse Angelegenheit ist das Abfüllen des Käsebruches vom „Chessi“ in die Abfüllformen. Acht Mal innerhalb von 20 Stunden wird der Käse nun gekehrt, bevor die 105-Kilo-Kolosse für zwei Tage ins Salzbad wandern und anschliessend für rund 18 Monate im Käsekeller reifen.

 

 

Eine heitere Zeltstadt

Auf dem Heitere ob Zofingen entsteht die grösste Zeltstadt der Region. Taglöhner Vogel packte dabei mit an…

Die grosse Wiese hinter der 24-Stunden-Bar auf dem Heitere ist schon ordentlich belegt. Zelte, so weit das Auge reicht. Die besten Plätze sind bereits seit Dienstagmorgen vergeben. Inmitten von Pavillons und Zelten entdeckt Tanja Schöpfer einen grünen Fleck. Hier soll es hin, ihr 4er Zelt.

 

Die kleine Unterkunft aus der Verpackung befreit, nimmt die gebürtige Reiderin das Heft respektive den Plan in die Hand: Von aussen nach innen. So soll es gehen. Das Grundgerüst ist schnell aufgebaut: Vier Stangen, acht Heringe. Schliesslich soll das Zelt auch noch stehen, wenn sich Tanja Schöpfer am Freitag ins Getümmel stürzt.

Der Innenausbau: Zwei Kabinen, ein Gang. Der Taglöhner will Zeit und Heringe sparen, merkt aber nach kurzer Zeit und hängender Kabine, dass die Verankerungen unumgänglich sind. In voller Pracht erscheinen die beiden Liegeplätze nach dem zweiten Anlauf. Wer hier keinen erholsamen Schlaf hat, ist selber Schuld…

 

 

 

 

Mit Hochdruck in luftiger Höhe

8,5 Meter hoch, 8,5 Jahre alt: Auf dem Wahrzeichen des Schweizerischen Flaschenmuseums in der ehemaligen Käserei  Käppelimatt, Willisau, hat sich so einiges an Dreck angestaut.

Höchste Zeit also, die dunkelgrüne „Flasche“ wieder etwas aufzuhellen. Mittels Hochdruckreiniger und Bürste begeben sich „Fläsche-Sepp“ alias Josef Stadelmann, Kurator des Schweizerischen Flaschenmuseums, und Taglöhner Vogel in den Korb der Hebebühne. Mit von der Partie ist auch Hans Stalder, Ehrenmitglied des Flaschenvereins.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten – zu viel Ballast im Korb und zu wenig Druck beim Reiniger – hellt sich die Flasche von oben nach unten allmählich auf. Die Arbeit ist jedoch alles andere als ein Zuckerschlecken – vor allem für Taglöhner Vogel, der unter Höhenangst leidet und dem der Start auf zirka zwölf Metern Höhe doch ein wenig zu schaffen macht.

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Die überdimensionale Flasche ist ein ehemaliges Futtersilo, Aushängeschild des Flaschenmuseums und schon von weitem zu sehen. Im Flascheninnern führt eine Spindeltreppe von der Terrasse im 1. Obergeschoss zum Balkon im Dachgeschoss. Innen wir die Flasche auch geputzt – jedoch nicht heute. Zuerst soll die „Perle“ von aussen auf Hochglanz gebracht werden.

 

Nach zwei Stunden ist der gröbste Dreck beseitigt. Bevor sich Taglöhner Vogel auf den Heimweg macht, tischen „Fläsche-Sepp“ und Hans Stalder noch einen kleinen Imbiss auf: Cervelat, Brot, Senf, Kaffee. Es fehlt an nichts im Flaschenmuseum, wo sich über 35’000 Flaschen aneinanderreihen.

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Die grösste steht draussen im Nieselregen und wartet auf den Feinputz, den die beiden Flaschenliebhaber selber in Angriff nehmen…

 

Arbeitsplatz mit Aussicht

Von Willisau ins Wallis: Für ihren Einsatz verschlägt es Taglöhnerin Wüest zuhinterst ins Binntal, nahe der italienischen Grenze. In der dortigen SAC-Hütte ist sie 24 Stunden lang Mädchen für alles. An einem Arbeitsplatz, an den sie sich gewöhnen könnte.

Wolldecken zusammenlegen, Feuer machen, Geschirr trocknen, Abfall entsorgen, Hüttenfinken sortieren, Kondensmilch anrühren, WC putzen, Getränke verkaufen und nochmals Wolldecken zusammenlegen: In einer SAC-Hütte geht die Arbeit nie aus. Vor allem bei schönstem Wetter mitten in den Sommerferien, wenn es zwischendurch schon mal „räblet“. Die Nebiker Hüttenwartin Bernadette Ackermann fand für die Temporär-Hüttengehilfin Wüest daher immer etwas zu tun. Und diese hätte sich an die Arbeit inmitten der herrlichen Bergkulisse gewöhnen können. Doch nach 24 Stunden hiess es wieder Rucksack packen, Wanderschuhe schnüren und den Weg Richtung Tal in Angriff nehmen.

Für Hüttenwartin Ackermann und ihr Team aus Sektionskollegen des SAC Zofingen ging die Arbeit noch ein paar Tage weiter, bis auch sie wieder zurück in die «Üsserschwiiz» reisten. Denn die Binntalhütte, die dem SAC Delémont gehört, wird in Fronarbeit bewartet, die Hüttenwarte wechseln sich jede Woche ab. Für die 64-jährige Bernadette Ackermann ist der Hüttensommer aber noch nicht vorbei. Als «Hüttenspringerin» löst die frisch Pensionierte tage- oder wochenweise andere SAC-Hüttenwarte ab, die für eine Weile Entlastung brauchen. Auch sie ist im Grunde also eine Taglöhnerin.

Die ganze Taglöhner-Reportage aus der Binntalhütte lesen Sie im WB vom Dienstag, 9. August.

Wenn Vogel zum Fisch wird

Sommerferienzeit ist auch Schwimm-Kurs-Zeit. So gesellt sich Taglöhner Vogel zu den ganz kleinen Wasserratten ins Hallenbad Willisau und hilft Kursleiterin Andrea Amrein bei ihrer Arbeit. Die Schötzerin animiert die Kinder und zeigt den Nichtschwimmern auf spielerische Art, was es heisst, mit dem Wasser eins zu werden.

Kursleiterin Andrea Amrein stellt den Schwimmkurs vor:

 

Ob als Auto mit gestartetem Motor, Scheibenwischer und Blinker, als Krokodil auf allen Vieren oder gar als schreiendes Ungeheuer: Der Spass kommt beim Lernen nie zu kurz. Taglöhner Vogel mimt dabei den Fisch, läuft mit den Kindern im Wasser um die Wette oder fungiert als Händchenhalter beim Sprung ins unvertraute Nass.

 

Die 5-jährige Ilena Bucicov erzählt, was sie im Schwimmkurs alles gemacht hat:

Ein glasklares Endergebnis

Gütschrain 1, Willisau: Ein Wintergarten, zwei Dachscheiben, ein Gefälle. Sechs Quadratmeter galt es für Taglöhner Pascal Vogel zu putzen. Von oben, wohlverstanden. Denn die Seitenscheiben putzt die 82-jährige Berta Bühlmann noch selbst. Die Leiter steigt sie nur im Notfall hoch. Mit Wischmob, Schlauch, Eimer und einer Gummimatte gehts für den WB-Reporter rund 2,5 Meter in die Höhe.

Ein Schneckenhaus, Spinnhuppele und Blütenstaub fallen dem Wasserstrahl zum Opfer, bevor der Taglöhner mit dem Wischmob den „Feinschliff“ in Angriff nimmt. Nach getaner Arbeit sitzen Taglöhner Vogel, Fotografin Anja Meier und Auftraggeberin Berta Bühlmann gemeinsam beim Kaffee – natürlich im Wintergarten, der nun durch die glasklaren Scheiben von aussen erhellt wird.

 

Ein gefundenes Fressen

Peter und Rita Kugler sind ein innovatives Paar. Immer wieder suchen die Pfaffnauer Landwirte nach neuen Ideen, um ihren Betrieb zu bereichern. Nun versuchen es Peter und Rita Kugler auf ihrem Biohof im Buttenried neben der Mutterkuhhaltung mit der Mast von Truten. 25 dieser «zugegeben nicht allzu schönen Tiere», wie es Rita Kugler ausdrückt, haben sie im Moment. Mit der Zeit sollen es mehr werden.

Rita Kugler stellt ihren Hof vor:

Die Truten sind allerdings nicht nur ein gefundenes Fressen für die Menschen, sondern auch für Fuchs und Marder. Diese hält seit Kurzem ein massiver Zaun draussen. Das Problem: Einige der Pfähle sind sehr hoch, einer davon verdeckt ein Verkehrsschild. Sie müssen gekürzt werden. Bauer Kugler sägt, Taglöhnerin Wüest sorgt dafür, dass ihm das Holz nicht auf den Kopf fällt. Erledigt – das Strasseninspektorat wird seine Freude daran haben.

 

Eigentlich sollte Bergamasker-Hündin Joya Bäuerin Rita Kugler dabei helfen, die Truten in den Stall zu bringen. Doch offenbar findet Joya, es sei noch nicht Zeit dazu.

Erinnerungspflege auf 712 m ü.M.

Der nächste Taglöhner-Einsatz ruft: Dieses Mal führt die Sommerserie die WB-Jüngste zu den Ältesten. Reporterin Anja Meier darf mit auf den Aktivierungsausflug des Alters- und Pflegezentrums Waldruh. Hinauf auf den Mettenberg solls gehen. Auf 712 Metern Meereshöhe soll den Bewohnern ein unterhaltsamer Nachmittagsausflug geboten werden, wird mir am Telefon gesagt. Aber: Das Servieren von Kaffee und Kuchen sei nebensächlich. „Hauptsächlich geht es darum, aktive Erinnerungspflege zu betreiben.“ Mittels Konversation das Erinnerungsvermögen der Senioren anregen? Nichts leichter als das, denke ich mir.

In Transportbus und Personenwagen werden die 10 Bewohnerinnen und Bewohner auf den Hügel zwischen Rohrmatt und Hergiswil chauffiert. Mit dabei sind nebst zwei freiwilligen Helfern die beiden Aktivierungsfrauen Rita Greber und Ursula Rölli-Jurt (beide 60). Dreimal pro Jahr kommen sie hierher, sei es zum Bräteln oder zum Nachmittagskaffee. Die Aussicht auf die umliegenden Hügel und Berge entlockt so manchen ein „Häi, wie esch das schön!“Das Navigieren der Rollstühle ist schwieriger als gedacht, nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten habe ich jedoch den Bogen raus. Nicht nur das: Bei den Gesprächen erfahre ich einiges über den Alltag anno dazumal, über die Bedeutung der „Chendu-Lehr“ (der damalige Religionsunterricht) sowie über regionale Verknüpfungen der Familienstammbäume. Rita Greber und Ursula Rölli-Jurt stimmen traditionelle Volkslieder an. Ob „Lueged vo Bärge ond Tal“ oder „S Schwiizer Ländli, eschs nor chli“: Die Seniorinnen und Senioren fallen nach Kräften mit ein. Zur Stärkung gibts von den Bewohnern selbst gemachten Aprikosenkuchen. Dazu wird Kaffee gereicht – wahlweise mit Güggs oder ohne.

Ursula Rölli-Jurt: „Unsere Bewohner wissen allerhand über das Leben zu erzählen. Teilweise werden sie sehr philosophisch.“ Ihre Freude an kleinen Dingen sei rührend. Gerade eben habe ein älterer Herr nachdenklich gemeint, dass „eigentlich alle unter der selben Sonne leben“. Rita Greber ergänzt: „Wir haben den schönsten Beruf, den man haben kann.“

Nach zwei Stunden reden, Kaffee servieren und nochmals reden macht sich die Gesellschaft wieder auf den Rückweg. Überraschenderweise macht sich bei Taglöhnerin Meier eine dezente Müdigkeit bemerkbar – Erinnerungspflege betreiben, das fordert. Zwar nicht unbedingt körperlich, dafür aber mental.

Kafi für die Biker

Gipfeli, Käse, Joghurt, Fleisch, Früchte: Der Brunch am 24-Stunden-Rennen in Schötz ist reichhaltig. Am Sonntagmorgen aber vor allem wichtig: Der Kaffee in den Chachali darf nie ausgehen. Das war der Job von Taglöhnerin Wüest.

Der Alberswiler Peter Meier, zusammen mit seiner Frau Vreni verantwortlich für den Brunch, erklärt, was am Sonntagmorgen im grossen Zelt alles läuft:

 

Die Bilder des Brunches: