Das etwas andere gefleckte Vieh

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Auf einem Bauernbetrieb im Luzerner Hinterland gefleckte Kühe anzutreffen, ist nichts Aussergewöhnliches. Doch die Kühe, welche die WB-Reporterin ganz oben auf dem Galgenberg antrifft, sind irgendwie anders als das gewohnte Fleckvieh. Sie sind etwas kleiner, aber kräftig gebaut. Und vor allem: ziemlich lustig gefleckt. Einige sehen gar aus wie Dalmatiner-Hunde. „Das sind Normande-Kühe“, erklärt Bauer Philipp Fischer vom Hügihof, der Züchter und Besitzer der Kühe.

Rund 65, 70 Stück Vieh dieser Rasse hat der 43-Jährige meistens auf seinem Hof. 40 Milchkühe plus das Jungvieh. Im Gegensatz zu den üblichen Kuhrassen in der Schweiz kann er sie doppelt nutzen: Für Milch und Fleisch.

Die Normande-Kühe stammen, wie der Name schon sagt, aus der Normandie und der Bretagne in Frankreich. In der Schweiz sind sie bis jetzt noch sehr selten anzutreffen. Ein Grund: „Diese zu importieren ist sehr teuer“, sagt Philipp Fischer. Er hat sich daher vor zehn Jahren dazu entschieden, eine Verdrängungskreuzung zu machen. Inzwischen dürfe er seine Kühe als Normande bezeichnen, auch wenn die Verdrängung noch nicht ganz abgeschlossen sei. „Doch ich bin auf gutem Weg“, sagt er. Regelmässig kann er auch  Kälber verkaufen. Die Nachfrage sei gross. Und, das ist ein Vorteil der Normande-Kühe: Er kann sie teurer verkaufen, als die von herkömmlichen Schweizer Rassen. „Statt 100 Franken für ein Kalb erhalte ich für sie 700 Franken.“

Ein weiterer Vorteil: Die Normande-Kühe brauchen wenig Kraftfutter, derzeit rund 200 Kilogramm pro Kuh pro Jahr. Doch damit ist Philipp Fischer noch nicht zufrieden: „Irgendwann möchte ich das Kraftfutter ganz weglassen können.“ Damit spart er Geld, da er dieses sonst teuer zukaufen muss, und macht so zum Teil wieder wett, dass die Normande-Kühe etwas weniger Milch geben. „Dafür leben sie länger“, sagt Philipp Fischer.

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Der Hügihof der Familie Fischer.

Philipp Fischer hat den Hof 2001 vom seinem Vater übernommen. Heute lebt er dort zusammen mit seiner Frau und drei Kindern zwischen 5 und 10 Jahren. Mit der Übernahme des Betriebs hat er begonnen, das eine oder andere etwas anders zu machen, als dies auf den meisten Betrieben der Fall ist. „Das verstehen nicht immer alle“, sagt er. Dass er seine Kuhrasse umstellte, habe zum Beispiel für viel Kopfschütteln gesorgt. „Es hiess: Diese Kühe sind nichts wert.“ Doch er sei sehr zufrieden, so Fischer. „Ich würde es jederzeit wieder tun.“

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Jedes Jahr lässt Philipp Fischer eine bis zwei Kühe metzgen. Daraus lässt er Wurst machen. Etwa die Hügihöfer-Wurst, eine … Diese kann man während den Wintermonaten im Chäsi-Lädeli in Geiss kaufen. So, wie auch seine Apfelringe, eine Mischung aus diversen Sorten. Äpfel und Bäume – über sie könnte Philipp Fischer übrigens stundenlang erzählen. „Früher bauten die Bauern ganz verschiedene Apfelsorten an. Einige davon konnte man gleich nach der Ernte essen, andere mussten einige Monate lang im Keller lagern, bis sie geniessbar wurden. So hatte man das ganze Jahr über gute Äpfel, ohne diese chemisch behandeln zu müssen. Dieses Wissen ist heute zum grossen Teil leider verloren gegangen.“ Auch sonst sei es schade, dass heute fast nur noch die gleichen Äpfel angebaut würden. „Sie schmecken alle ähnlich. Dabei gäbe es so viele verschiedene Sorten, die alle einen ganz eigenen Charakter haben.“ Er selbst hat derzeit etwa 30 Apfelsorten auf seinem Betrieb. Seine Lieblingssorte: Sauergrauech. Bis er in diese säuerliche Äpfel hineinbeissen kann, dauert es aber noch ein Weilchen. Sie sind erst im Herbst reif. Ganz im Gegensatz zu den Klaraäpfeln, welche, als erste Sorte, schon jetzt reif sind. Und auf dem Hügihof bereits fleissig gegessen und gemostet werden.

Aus Äpfeln entstehen auf dem Hügihof übrigens nicht nur Apfelringe und Most. Philipp Fischer stellt auch mit grosser Leidenschaft eigene Schnäpse her. Auch dabei experimentiert er mit verschiedenen Apfelsorten. Kaufen kann man seine Edelbrände jedoch nicht. „Die Nachfrage wäre zu gross. So viel Schnaps darf ich gar nicht herstellen“, sagt er und lacht.

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Angetroffen – auf dem Weg Richtung Galgenberg

WB-Redaktorin Wüest bezwang im Rahmen unserer Sommerserie „Die Gipfelstürmer“ den Geisser Gipfel Galgenberg (673 m ü.M.). Wen sie dabei alles antraf, sehen Sie hier. Um wen es sich dabei handelt, und was diese Leute alles zu erzählen haben, erfahren Sie nach und nach. Hier im Blog und am Dienstag im Willisauer Boten.

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Eine schaurige Geschichte

In der Schulbank sass Alois Müller, als er zum ersten Mal die Sage des Wegkreuzes in der «Obergretti» hörte. «Unser Erstklasslehrer Fischer war ein hervorragender Geschichtenerzähler», sagt der 86-Jährige. Kalt den Rücken hinunter sei es ihm gelaufen, als dieser die Geschichte von jener Mutter erzählte, die ihrem ungezogenen Mädchen mit «Türst» und «Sträggele» drohte. Doch hören Sie selbst:

Den Bauernpräsidenten zum Gipfelgespräch geladen

Weisses Gold? Momentan müssen Bauern die Milch eher verscherbeln. Doch der Präsident des Luzerner Bauernverbandes sieht nicht nur schwarz. Jakob Lütolf stellte sich für das Gipfelgespräch zur Verfügung und blieb dem WB-Reporter auf der saftig grünen Matte vor der Bodenberger Käserei keine Antwort schuldig. Mehr dazu lesen Sie in der Printausgabe vom Freitag.

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Die „Gallier“ vom Bodenberg

Käserei um Käserei drehte anfangs 2000 den Schlüssel. Nicht so auf dem Bodenberg. Hier trotzen acht Bauern der Konzentration auf grosse Standorte und haben damit Erfolg. Der WB war aufgrund der Sommer-Gipfeltour auch einen Morgen zu Gast bei Käsermeister Sepp Hodel und seinem Angestellten Hansueli Müller. Diese verarbeiten die Milch von rund 200 Kühen , stellen pro Jahr rund 800 Emmentaler-Laibe à 100 Kilo und diverse Spezialitäten her. Gerade letztere sichern auch in diesen für Milchbauern sehr harten Zeiten den Fortbestand der kleinen Käsi, die über einen ganz besonderen „Geldautomaten“ verfügt. Mehr dazu lesen Sie in der Printausgabe des Böttus. Hier schon mal ein paar Impressionen:

Zu Besuch beim letzten Posthalter

Wo ist der schönste Ort in Ohmstal? Um diese Frage zu beantworten, ist wohl keiner besser geeignet als Sepp Bättig. Er kennt die Gemeinde wie seine Hosentasche. Kein Wunder. Schliesslich trug er hier über 30 Jahre Briefe und Pakete aus. Der heute 67-Jährige ging 2001 als letzter Ohmstaler Posthalter in die Geschichte ein. „Diesen Titel hätte ich lieber nie bekommen. Der Entscheid der Post, den Schalter zu schliessen, tut mir bis heute weh.“ Doch zurück zu unserer Frage: Wo ist der schönste Ort in Ohmstal? „Ich liebe die Weitsicht, den Blick in die Berner Alpen, den Jura oder das Mittelland“, sagt Sepp Bättig und beginnt eine schier endlose Aufzählung von Flur- und Hofnamen. Der WB-Reporter hat verstanden. Den schönsten Ort gibt es nicht… ganz Ohmstal ist schlicht traumhaft.

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