Der Hüter der sakralen Kultur

galliker

«Richtstätte – aufgehoben 1798»: Franz Galliker putzt regelmässig die Tafel auf dem Stein bei der Richtsätte, damit die Inschrift lesbar bleibt.

Am Tagesziel angekommen, der alten Richtstätte zuoberst auf dem Galgenberg, trifft die WB-Gipfelstürmerin den Geisser Franz Galliker. Seit Jahren schaut der 66-Jährige hier oben nach dem Rechten und putzt regelmässig die Tafel auf dem Gedenkstein. Das Interesse für diesen Ort wuchs bei ihm nach und nach.

Franz Galliker wohnt heute im Dorf Geiss. Aufgewachsen ist er auf dem Hof Dünnhirs, zwischen Soppensee und Galgenberg, nur wenige Meter unterhalb der Richtstätte. Obwohl der Hof auf Geisser Boden liegt, waren die Gallikers nach Buholz orientiert. «Wir gingen dort in die Käserei und zum Gottesdienst», erinnert sich Franz Galliker. Die Richtstätte hatte für ihn damals keine Bedeutung. «Mit dem Tod beschäftigt man sich in diesem Alter nicht.» Dazu komme: «Ich habe mich zwar schon immer für Kultur und Geschichte interessiert – aber nur im Zusammenhang mit der Kirche.» So seien für ihn die Landgerichtskapelle und das Armsünderchäppeli in Buholz wegen ihrer sakralen Bedeutung stets spannender gewesen.

Mit sakralen Kulturgütern beschäftigte sich Franz Galliker auch während seiner Zeit im Zivilschutz. Er war beim Kulturgüterschutz eingeteilt. „Wir waren verantwortlich dafür, Kirchenschätze bei einem Brand oder – im schlimmsten Fall – in einem Krieg in Zivilschutzräumen in Sicherheit zu bringen.“ Eine Aufgabe, die sein Interesse an Kulturgeschichte noch weiter weckte.

Sein Interesse an der Richtstätte wuchs allerdings erst, als um 1990 der historische Rundwanderweg von Wolhusen über Buholz und Geiss ins Leben gerufen wurde. Dieser führt über den Galgenberg und macht dort einen Abstecher hinauf zur alten Richtstätte. Als damaliger Kirchmeier wurde Franz Galliker mit einbezogen. Im Zusammenhang mit dem Rundweg liess man auch den grossen Stein hinaufkarren – einen «Ämmebölle», wie Franz Galliker weiss. Der Stein erinnert mit der Inschrift «Richtstätte – aufgehoben 1798» an die unschöne Vergangenheit des Ortes.

Franz Galliker war später auch die Geisser Ansprechsperson, als 1999 der Jakobsweg eröffnet wurde. Dieser führt auf der alten Landstrasse von Werthenstein nach Buholz und von dort via Galgenberg und Geiss nach Willisau.

Der umweltbewusste Tüftler

Bevor er im letzten Jahr pensioniert wurde, arbeitete Franz Galliker 46 Jahre lang bei der Kronospan in Menznau. Dort setzte er sich in den letzten Jahren stark mit dem Thema Umwelt und Ressourcen auseinander, im letzten Jahr beeendete er noch ein Projekt zum Thema Abwasseraufbereitung. Genau damit beschäftigt sich der „AHV-Teenager“, wie er sich selbst bezeichnet, nun auch zu Hause. Er will herausfinden, wie man Abwasser für die WC-Spülung verwenden kann. «Ich bin dauernd am Ausprobieren und Herumtüfteln», sagt er.

Zufrieden sei er erst, wenn das Ganze genügend ausgereift sei um auch in anderen Haushalten angewendet werden zu können, vor allem in Bauernhäusern. «Dort ist es eher möglich, das System zu installieren, als in normalen Wohnungen.» Für ihn ist die Wiederverwendung von Abwasser die Zukunft. «Das Wasser wird immer knapper», sagt er. «Und gerade die Bauern müssen damit immer sparsamer umgehen, da sie darauf angewiesen sind.»

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