Die Armen- und Waisenanstalt Mörisegg

Der verstorbene Hergiswiler Hans Pfäffli  hat zum 30-Jahr-Jubiläum des Alters- und Pflegeheims „St. Johann“ die Geschichte des Armenwesens in Hergiswil aufgearbeitet. Einen grossen Teil der 36 Seiten dicken Festschrift ist dem Armen- und Waisenhaus Mörisegg gewidmet. Der WB hat die Broschüre gelesen und ein paar spannende Details zusammengefasst.

Vor dem 19. Jahrhundert war nicht die öffentliche Hand für das Armenwesen zuständig. Nächste Verwandte kümmerten sich um die Armen. Oder die Kirchgemeinden nahmen sich dem Elend der Armen an. Erst 1803 – mit der Einführung der Mediationsverfassung – wurden den Einwohnergemeinden die Sorge ums Armenwesen übertragen. Einzelne Landgemeinden waren damals im Besitz von Armen- und Waisenhäusern. Hergiswil noch nicht. Ab 1850 begann man sich mit dem Bau eines solchen Hauses zu befassen. 1852 ergab sich für die Gemeinde die Gelegenheit, eine Liegenschaft zum Zweck eines Armenhausbaues zu erwerben. Vorgesehen war der Kauf des Staatsgutes „Ober Kurzhubel“, was die Gemeindeversammlung später verwarf. Stattdessen beschlossen sie den Hof Oberkurzhubel mit demjenigen auf Mörisegg zu tauschen. Dort wurde am 6. Juli 1862 ein grosses Bauerngut als Armen- und Waisenanstalt einzurichten. Das Haus diente Kranken, Waisen und Armen fortan mehr als 100 Jahren als Unterkunft.

1973 wurde die Armen- und Waisenanstalt Mörisegg aufgelöst. Ordonanzschwestern und Insassen zügelten ins Dorf ins Altersheim „St. Johann“. Was passierte mit dem Gebäude auf der Mörisegg? Neben der Gemeinde interessierte sich auch die Denkmalpflege des Kantons Luzern für den Bau. In einem Brief vom 6. Juli schrieb diese an die Behörde, dass das „alte Bürgerheim Mörisegg ein erhaltenswertes Baudenkmal von grosser sozialgeschichtlicher Bedeutung“ sei. Für die Gemeinde erwiesen sich die Abklärungen und Planungen als „nicht dauerhaft“ und so beschloss der Gemeinderat den Abbruch des Heimes. An seiner Stelle wurde 1999 ein Zweifamilienhaus für den Pächter der Liegenschaft und sein Dienstpersonal erbaut. Heute wohnen Gabi und Leo Zwyer mit ihren zwei Kindern im einstigen Armenhaus.

 

 

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