Die erste Nacht in einer Jurte

Bei so viel Ämtchen kann genug Schlaf nicht schaden. Andrea begleitet mich zu meinem Daheim. Es ist der «Mond», eine etwas abgelegene Jurte.Wie ich die Nacht erlebt habe? Mehr dazu im WB vom Dienstag.

Bettstatt

Kann ein Nachtlager schöner sein?

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Mein Bullauge zum All.

 

Zuerst das Essen, dann die Jobplanung

Ich fasse meinen ersten Job. Salat waschen am Brunnen. Gimmli rührt im Eintopf über dem Feuer. Altes Brot, gehackte Brennnesseln, Tomaten, Rüebeli, Lauch und diverse Kräuter aus dem Garten. Dann blase ich ins Kuhhorn – meine Einladung an den runden Tisch ist unüberhörbar. Gäste trudeln ein. Wir unterhalten uns über das Leben im Jurtendorf.

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In der Mitte des Esstischs verbreitet ein Feuer wollige Wärme.

Danach wird abgewaschen, gemeinsam eine Einsatzliste für den nächsten Tag erstellt. Meine Aufgaben werden schwarz auf weiss notiert: im Gemüsegarten Schnecken einsammeln, beim Zäunen helfen, kochen…

 

Nicht Aussteiger, sondern Einsteiger

«Wer das einfache Leben sucht, die Stille der Natur und das friedliche Zusammensein, der fühlt sich bei uns wohl», sagt Ursula (60). Vor zwei Jahren hat die Unternehmerin und Kinesiologin der Stadt Basel den Rücken gekehrt. «Weil ich den Sternenhimmel nie sah.»

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Ursula pflückt Zutaten für das Nachtessen.

«Ich hatte genug vom 08/15-Schaffen», sagt Gimmli (37). Darum hat der Mann aus dem Zürcher Oberland vor fünf Jahren «den Reset-Knopf im Leben gedrückt» und ist im Jurtendorf sesshaft geworden.

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Gimmli, der Pflanzenkenner im Jurtendorf.

«Wir sind keine Aussteiger, sondern Einsteiger», sagt Andrea (44), ausgebildete Primarlehrerin, von ihrem sechsköpfigen Team. «Wir wollen der Natur wieder näher rücken.»

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Andrea Weibel, Initiantin des Jurtendorfs

«Im Jurtendorf kommt ab und zu auch Fleisch auf den Tisch. Kein Teammitglied kifft, Alkohol wird selten getrunken», sagt Thömu Schär (60), der Mann von Andrea. «Siff-Brüder brauchen wir nicht.»

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Thömu, ein Vollblut-Handwerker.

Den Arbeitsort erreicht

Auf gehts, den Rucksack geschultert, den steilen Karrweg neben dem Bad-Brünnli hoch. Vorbei an weidenden Rindern und Schafen. Schritt für Schritt, immer weiter weg vom Natelempfang. Adieu Alltag, adieu Rund-um-die-Uhr-erreichbar-sein. Dem Jurtendorf entgegen. «Unser grösster Luxus auf ‹Unter Niespel› wird die Einfachheit sein», sagte einst Initiantin Andrea Weibel. Damals, als ich sie 2011 über ihre grossen Pläne auf dem fünf Hektaren kleinen Gehöft für unsere Zeitung befragte. Fünf Jahre später erblicke ich sie zum ersten Mal: die grösste Jurten-Siedlung der Schweiz. Die Zelt-Stadt mit 23 Jurten, eingebettet ins V-Tal, übertrifft meine kühnsten Erwartungen.

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Eingetroffen in der Oase der Stille.

Büezer auf besonderem Fleckchen

Taglöhner Norbert Bossart hat ein stilles Fleckchen gefunden, wo seine Kräfte gefragt sind. Im naturverbundensten Örtchen der Schweiz. So werde ich einen Tag lang im Jurtendorf auf „Unter Niespel“ mit anpacken. Diese Zeltstadt liegt oberhalb des Wallfahrtsorts Luthern Bad, am Fusse des Napfs.

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Unter Niespel, Luthern Bad, 911 Mewter über Meer: das Ziel von Taglöhner Norbert Bossart

Bei den Lottospielern im „Violino“

Adleraugen und eine klare Aussprache sind vonnöten. 19 – 23 – 83 – 38 – 06: der Taglöhner steht als Speaker und Helfer am Sommerlotto des Wohn- und Begegnungsorts Violino, Zell, im Einsatz. Zwei Drittel der 67 Bewohner machen mit. «Lotto ist beliebt und eine ideales Gedächtnistraining obendrauf», sagt Iréne Blum, die mit Martha Kunz das Aktivierungsprogramm leitet. Die beiden Frauen bringen mit Tätigkeiten wie Kochen, Singen, Werken oder Turnen regelmässig Abwechslung in den Heimalltag. Der eine hört nicht mehr gut, der andere sieht schlecht: Beim Lottospielen können die Senioren beim Zahlenabdecken auf die Hilfe des Pflegepersonals zählen. Ganz ohne Hilfe bringt Hedwig Müller-Häfeli, mit 98 Jahren die Älteste im «Violino», ihre Lottogewinne ins Trockene: eine Pack  Hustenbonbons und einen Gutschein der Cafeteria.

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Darum engagieren sie sich

Drei Stimmen zum Spielplatzprojekt in Altbüron.

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Die Spielplatzbauer

Finanzberater, Tätowiererin, Softwareentwicklungsingenieur… greifen zur Schaufel. 21 Kubikmeter Splittbeton werden eingebaut, als Untergrund für den Fallschutz bei den Kletterfelsen. Taglöhner gibts in Altbüron zuhauf, die ehrenamtlich büezen: Rund 15 Familien sind seit Frühling Samstag für Samstag am Bau des behindertengerechten Spiel- und Begegnungsplatzes Hiltbrunnen am Werk. Seit dem Ferienstart herrscht Intensivbetrieb auf der Baustelle. «Ein familienfreundlicher Treffpunkt fehlte in unserem Ort», sagt Wilma Rölli, 36, dreifache Mutter und Vorstandsmitglied des 80 Mitglieder starken Spielplatzvereins. «Mit vereinten Kräften lässt sich für die Kleinen Grosses schaffen.» Am 4. September, ab 10.30 Uhr, wird die neue Attraktion mit einem Spielplatzfest eröffnet. Vor Ort ein prominenter Festredner: alt Bundesrat Samuel Schmid.

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Taglöhner kommt ins Schwitzen

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Weiss auf schwarz der Beweis: Taglöhner Bossart kommt kräftig ins Schwitzen in Altbüron. Bei welcher Arbeit? Mehr dazu morgen. Der nächste Auftrag ruft.

Brandheisser Job an coolem Örtchen

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Badmeister Stefan genannt „Steve“ Häfliger hat eine zündende Idee. Er engagiert Taglöhner Bossart als Grillmeister im Willisauer Freibad „Hasenburg“. Eine brandheisser Job an coolem Ort. Das Feuer ist schnell entfacht.  Gäste sind an diesem Donnerstagmorgen aufgrund des kurzen Niederschlags (leider) wenige vor Ort. Gestern hingegen weilten hier 730 (!) hungrige Mäuler.“Wir hatten gleich zwei Grills eingefeuert. Es herrschte Hochbetrieb“, berichtet Steve.

Doch es gibt sie, die unentwegten Wasserratten, die ihr Brätelgut bringen. Zum Besipiel Richard Kurmann (66) und seine Frau Marianne (63). Die Hergiswiler legen Fische aufs Feuer und stimmen ein Loblied auf das Willisauer Freibad an. „Klein, aber fein“ sei diese Badi. „Idyllisch“, urteilt Richard, der die letzten 25 Arbeitsjahre als Sakristan von Hergiswil wirkte. „Wir sind im Sommer fast jeden Tag hier. Hier treffen wir Freunde, hier ist es gemütlich.“ Am Werk sei ein freundliches Baditeam.

Taglöhner Bossart putzt Kabinen, wischt das Regenwasser von den Gartentischen. Und plötzlich wird es hektisch. Der Sonne sei Dank. Immer mehr Gäste trudeln ein. Jetzt ist das Mitarbeiten des Taglöhners gefragt. Er kassiert Eintritte ein, schiebt eine Pizza in den Ofen, hilft Cinderella Huter am Kiosk beim Hot-Dogs machen.

Den Zahltag für den Taglöhner könnte passender nicht sein: eine Wurst vom Grill und eine Einladung ans leckere Salatbuffet. En Guete! Und Taglöhner Bossart muss weiter – in Altbüron zählt eine Eltern- und Kinderschar auf seine Hilfe.

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Der Zahltag könnte zeitlich nicht passender sein.

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Cinderella Huter macht Pommes frites.

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Bademeister Stefan „Steve“ Häfliger empfängt Gäste an der Eintrittskasse.