Sommerserie 2013 – Hausbesuch

Die Fotosession im Rosengarten

Bräutigam sieht seine Partnerin zum ersten Mal im Brautkleid.

Bräutigam sieht seine Partnerin zum ersten Mal im Brautkleid.

«Gute Hochzeitfotografie ist hohe Kunst», sagt Armin Graessi, der unser Brautpaar aus Schötz ablichtet. «Du musst nicht nur mit Technik und Licht umgehen können. Ebenso wichtig sind gute Menschenkenntisse.» Er ist unter anderem seit 1980 am Palace in Gstaad als Hoffotograf tätig, Herausgeber von Fotobüchern und stellt derzeit Bilder auf dem Dampfschiff Gallia in Luzern aus. Journalist Bossart beobachtet den Profi, der in Ruswil aufwuchs und heute in Seelisberg wohnt, bei seiner Arbeit. Eine wahre Lehrstunde.

Hochzeit 3

Bräutigam sorgt für Schatten, damit das Licht für den Fotografien stimmt.

Bräutigam sorgt für Schatten, damit das Licht für den Fotografien stimmt.

Brautschuhe und Ringe.

Brautschuhe und Ringe.

Hochzeit 2

Warum dieses Brautpaar auf Heidegg heiratet

    Das Hochzeitspaar: Manuela Bellwald und Carlo Anthamatten aus Schötz.

Das Hochzeitspaar: Manuela Bellwald und Carlo Anthamatten aus Schötz.

«Einen Tag lang ein Prinzessin sein», sagt Manuela Bellwald, 33, Chemielaborantin. So habe sie sich ihre Hochzeit immer vorgestellt. «Und zu einer Prinzessin gehört ein prächtiges Schloss», ergänzt Partner Carlo Anthamatten, 34, Elektriker.  «Heidegg ist der ideale Ort für unseren grossen Tag.»  Ein Festsaal samt Flügel für die Zeremonie, ein Rosengarten für die Hochzeitsfotos und ein besonderes Ambiente für die Gäste. «Wir haben uns bei der Suche nach einer speziellen Location im Web auf Anhieb in dieses Schloss verliebt.» Das Paar mit Walliser Wurzeln wohnt seit sechs Jahren in Schötz. Kennengelernt haben sie sich zwischen Bier- und Bratwurststand in der Eishalle von Visp, wo Carlo einst als Halbprofi dem Puck nachjagte. Jetzt stehen sie Händchen haltend vor dem Schloss. «Ich bin bereit für den letzten grossen Schritt in die gemeinsame Zukunft», sagt Carlo und lacht. «Endlich», erwidert sein Zukünftig. Seit 14 Jahren sind sie ein Paar. In der letzten Silvesternacht hat er ihr kurz nach Zwölf in einer Hotelsuite den Antrag gemacht. Zwischen Sprudelbad und Wasserbett.

Nun ist der grosse Tag im Gang. Noch eine Stunde bis zum alles entscheidenden Moment vor der Zivilstandsbeamtin. Doch vorerst ist ein Fotoshooting im Rosengarten angesagt.

Erste Bilder davon folgen in wenigen Minuten.

Prinzessin heiratet Prinz

Auf Schloss Heidegg geben sich viele das Ja-Wort. Letztes Jahr trauten sich hier 33 Paare zivil im Festsaal oder kleinen Saal und deren 17 in der Schlosskapelle mit Gottes Segen. «Würdig und feierlich soll das Ambiente sein. Bei jeder einzelnen Hochzeit», sagt Konservator Dieter Ruckstuhl. «Heidegg ist keine und wird nie eine Heiratsfabrik.»

Auch heute Samstag sind zwei Hochzeiten angesagt. Bei der einen bin ich live dabei. Erst recht, weil ein Pärchen aus dem Hinterland sein Kommen angekündigt hat. Erste Bilder gibts in Kürze. Reporter Bossart wird zum Paparazzi.

Auf dem Schlachtfeld übernachtet

Auf diesem (Kissen)schlachtfeld auf dem Estrichboden habe ich die Nacht verbracht.

Auf diesem (Kissen)Schlachtfeld auf dem Estrichboden habe ich die Nacht verbracht.

Nach gutem Wein schläft es sich gut. Ich bin wirklich Herr des Hauses. Reporter Bossart darf auf eigenen Wunsch mutterseelen allein im Schlossturm übernachten. Nicht im Bett der (längst verstorbenen) Baronin, sondern zuoberst, auf dem riesigen Estrich. Im Schloss im Schloss. Auf dem Estrich befindet sich nämlich ein Kinderparadies. Das sogenannte Traumschloss. Sein Innenleben ist verwinkelt. Das Traumschloss ist es ein Traum: Es leuchtet nicht nur schön, sondern bringt auch Kinderaugen zum Leuchten. Prinzessinnen und Prinzen können hier mit viel Geschick und Probiererei eine Kugelbahn zum Leben erwecken und gleichzeitig urtümliche Klänge erzeugen. Entworfen hat das Traumschloss der gebürtige Pfaffnauer Kunstschaffende Herbert Bättig, der Bruder von Ines Ruckstuhl-Bättig.

Ein Traum für Kinder: das Traumschloss mit der Kugelbahn.

Ein Traum für Kinder: das Traumschloss mit der Kugelbahn.

Vor dem Traumschloss liegen riesige Softbaustein, mit denen sich eine eigene Burg bauen lässt. Daneben ist mein Schlafplatz: eine grosse Matratzenwiese mit vielen Kissen. Hier finden tagtäglich Kissenschlachten statt. Und auf diesem Schlachtfeld habe ich geträumt. Bei angenehmer Temperatur. Zumindest bis mich in aller Herrgottsfrüh das Geräusch der flatternden Heidegger Fahne geweckt hat. Doch Reporter Bossart will nicht klagen: Ein Windchen könnte bei der angekündigten Hitze nicht schaden.

Schötzer testet Heidegger

Möchten Sie das kurze Urteil von Journalist Bossart zum Heidegger kennen? Dann schauen Sie sich folgendes Video an:

Edle Tropfen für edle Geister

IMG_9561

«Ich kann wortwörtlich die Früchte meiner Arbeit ernten», sagt Peter Schuler (48) und fügt lachend an: «Und trinken!» Wir stossen in seiner Weinstube mit einem Heidegger Cuvée an. Auf Heidegg und die WB-Sommerserie. Mein erstes Urteil: Der Cuvée schmeckt gut in der Nase. Er ist vollmundig und lieblich im Abgang.

Im Weinkeller

Im Weinkeller

Peter Schuler führt seit 1989 als Rebmeister das Weingut Heidegg, zuerst für den Kanton Luzern, seit 1998 in eigener Regie. «Gibt es einen schönen Herbst, ist auch heuer ein Spitzenjahr möglich.» Rund sechseinhalb Hektaren gross ist sein Weingut. Jährlich steht er mit seinem vierköpfigen Team rund 1’000 Arbeitsstunden pro Hektare im Einsatz. Eine Ernte von 800 Gramm Trauben pro Quadratmeter sei die Regel. Aus einem Kilogramm Früchte lassen sich sieben Deziliter edlen Tropfen gewinnen. Rund 50’000 Flaschen gibts jährlich aus dem Eigenanbau, weitere 70’000 keltert er für fremde Weingüter.

Peter Schuler füllt unsere Gläser ein zweites Mal mit Weissem. Woher er sein Wissen hat? Der St. Galler lernte einst Weinbauer auf Gütern an der Zürcher Goldküste und in Hallau. Später bildete er sich zum Weinküfer (also Weinmacher) und am Tech als Oenologe aus. «Das Kreieren von neuen Weinen ist faszinierend.» So experimentiert er etwa mit neuen Hefetypen beim Gärungsprozess, mischt Sorten oder lagert einige Weine im Holzfass statt im Stahltank. Auf Heidegg macht Peter Schuler aus 15 Rebsorten rund 30 verschiedene Weine. Etwa RieslingxSylvaner, Blauburgunder Spätlese oder Merlot im Barriqueausbau. Und einen solchen probieren wir jetzt. «Ein Glas Roten ist gesund.»

Weinabbau hat auf Heidegg Tradition. Um 1300 bepflanzte ein Nachfahre von Ritter Heinrich den steilen, sonnenverwöhnten Burghügel mit Reben. Heidegg wurde zum Seetaler, später zum Luzerner Weinschloss. Anfang vom 20. Jahrhundert machten die Industrialisierung und vor allem die Reblaus den Trauben den Garaus. Der Kanton startete 1951 eine neue Ära am Burghügel. Rebmeister Josef Zemp leistete während Jahrzehnten grosse Aufbauarbeit. «Er war ein Pionier», sagt Peter Schuler. «Dank ihm wurde Heidegg zur Wiege des neuen Luzerner Weins». In den letzten 20 Jahren hat sich im Kanton Luzern die Fläche der Rebberge auf 40 Hektaren verdoppelt.

Waage-mutig und standhaft: Reporter nach der Weindegustation.

Waage-mutig und standhaft: Reporter nach der Weindegustation.

Und so standfest war ich nach dem Degustieren.

Von den edlen Rosen zum edlen Tropfen

Schötzer testet Heidegger.

Schötzer testet Heidegger.

Für heute habe ich genug von edlen Rosen, Prinzessinnen und Rittern, die von langen Schwertern träumen. Jetzt brauche ich einen edlen Tropfen. Nichts wie auf zum nahen Weinbauer. Ich berichte euch von meinem Trinktest oder -fest – sobald ich wieder kann.