Ein 92-Jähriger, der topfit ist

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Journalist Bossart im Gespräch mit Walter Bossart (Mitte) und Roman Laimbacher.

Zwei Herren sitzen auf der Chätzigerhöchi auf dem neu erstellten Bänkli und plaudern. Walter Bossart und Roman Laimbacher. Vater und Sohn könnte man meinen. „Weit gefehlt“, sagt Roman Laimbacher und lacht. Walter sei sein Nachbar. Der 92-jährige Dagmerseller unternimmt seit der Pension jeden Tag einen eineinhalb- bis zweistündigen Spaziergang. Vor dem Eintritt in den (Un-)Ruhestand arbeitete er für die Möbelfabrik Reinhard und für eine Färberei in Zofingen.

Gestartet sind die beiden beim Schiessplatz in Dagmersellen. Auf der Chätzigerhöchi verbuchte Roman Laimbachers Sportuhr bereits 4,56 gelaufenene Kilometer. Nichts aussergewöhnliches für Walter Bossart. Im Schnitt nimmt er pro Tag 14’000 bis 15’000 Schritte unter die Füsse, wie sein Schrittzähler belegt. „Am 1. August lief ich sogar 21’000 Schritte“, sagt er. Grund dafür: Ein Marsch von seinem Zuhause im Dagmerseller Ausserdorf nach Nebikon, von da nach Reiden und wieder zurück ins Heimatdorf Dagmersellen. Um auf solch langen Ausflügen nicht ausser Puste zu geraten, packe er stets zwei „Caffé Latte Espresso“ in seine gelbe Umhängetasche ein. Im Übrigen trüge das tägliche Glas Rotwein und der rege Genuss von Stumpen zu „einem soliden Leben“ bei, fügt er weiter an und lacht herzhaft.

Im Folgenden berichtet Walter Bossart über seine Wanderungen auf die Chätzigerhöchi.

Ein Funkmasten im Dienste der Sicherheit

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Zuoberst auf der Chätziger Höhe, 703 Meter über Meer, stand einst eine Antenne, welche die Haushalte am Santenberg mit dem Deutschen Fernsehen versorgte, berichtet Edy Kaufmann. «Mit dem Satelliten-TV hatte die Antenne ausgedient.» Seit 2011 wird der Standort als Basisstation für das nationale Sicherheitsfunknetz Polycom genutzt. Der heutige wohl über 30 Meter hohe Mast dient unter anderem der Kommunikation von Polizei, Feuerwehr, Sanität und Katastrophenschutz. Für Begehren von Mobilfunk-Anbietern hatte Familie Kaufmann kein Gehör, obwohl mit dem Geld gewedelt wurde. «Solche Antennen gibts genug», sagt Edy Kaufmann. «Unser Natelempfang ist gut.»

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Wo der Türst vorbeirauscht

Kafi-Halt unmittelbar vor dem höchsten Punkt des Santenbergs bei Margrith (68) und Edy Kaufmann (71), die viel über das nahe Türst-Kreuz und die Antenne auf dem höchsten Punkt des Santenbergs zu berichten wissen.

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WB-Reporterin Céline Pfister überbringt Margrith Kaufmann einen Gipfel.

«Wir leben hier oben auf einem paradiesischen Flecken», sagt Edy Kaufmann (71). «Weitblick und Ruhe sind grandios.» Vier Jahrzehnte hat er den «Trochenhof» bewirtschaft. Unweit davon bezog er nach der Hofübergabe vor sechs Jahren mit seiner Frau Margrith (68) ein neues Daheim.

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Edy Kaufmann beim Türst-Kreuz

Das besondere Kreuz

Unweit des Hauses steht ein Lothringerkreuz. Dessen Kennzeichen sind zwei ungleich lange Querbalken und ein relativ hoher Stamm. Seine Inschrift auf der Chätzigerhöchi: „Hier jagte der Türst“. Diese mahnt Wanderer laut Lokalhistorikern an „jenen sagenhaften Unhold, den das geistergläubige Volk nicht weniger fürchtet als Gift und Hexen“. Der geheimnisvolle Sturmgeist habe bestimmte Landstriche, sogenannte Türststrassen, heimgesucht und sei heulend und brausend durch die Lüfte gezogen. „Das Lothringerkreuz hatte die Aufgabe, den Türst wenn nicht im Durchlass zu hindern, so ihm doch die Kraft zum Schänden zu nehmen.“ Sein Vater, so erinnert sich Edy Kaufmann, habe ihm von Türst-Erlebnissen berichtet.

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Hier ein Video, in dem Edy von den Türst-Erzählungen seines Vaters berichtet:

 

 

Jasmin Blum hat neue Herausforderung gefunden

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„Ich hatte die Hektik und Eintönigkeit, diese aufgesetzte Freundlichkeit satt“, sagt Jasmin Blum (30), gebürtige Roggliswilerin, die heute in Alberswil wohnhaft ist. Sie arbeitete seit der Lehre im Detailhandel. Zunehmend unzufrieden machte sie plötzlich einen Schnitt. Sie wollte „zurück zur Natur“, kündigte und hielt Ausschau nach einem anderen Job. Just zu dieser Zeit war auf dem „Reitpark Farrier“ von Miki Sukale eine Stelle frei. Seit April füttert, mistet und longiert Jasmin Blum die dort eingestellten Pferde. „Ich bin den ganzen Tag draussen, kann selbständig arbeiten und sogar meine beiden Hunde mitnehmen. Was will ich mehr?“

Heisse Eisen sind ihr Ding

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Miki Sukale, Hufschmiedin, Reitlehrerin und Züchterin von
Shetland-Ponies, mit Shetty «Ecuador».

«Pferde sind seit der Kindheit meine grosse Leidenschaft», sagt Miki Sukale (31). Seit November führt sie am Egolzwiler Engelberg einen Reitpark. «Hier oben kannst du zwei Stunden ausreiten, ohne einem Auto zu begegnen.» Sie ist in Berlin aufgewachsen, kam mit 13 in die Schweiz und liess sich nach der Kantizeit in einer vierjährigen Stifti zur Hufschmiedin ausbilden. Seit 2010 ist sie als «Lady Farrier Miki» mit einer fahrbaren Hufschmiede unterwegs. Ohne Helfer. «Selbst ist die Frau», sagt sie, lacht und fügt an: «Mit Ruhe, Geduld und der richtigen Technik.» Ihr erster Vierbeiner «Rocky», ein schwarz-weisses Shetty, war der Anfang einer Shetlandpony-Zucht. Die Herde ist derzeit sieben Tiere gross. Zudem hat Miki Sukale sieben Pferde. Darunter zwei, mit denen sie regelmässig an Concours teilnimmt. Auf dem Hof leben weiter sechs Tiere in Pension. Nicht in Boxen, sondern in Gruppenhaltung. «Diese ist tiergerecht, denn das Pferd ist ein Herdentier.»

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Sie gibt Eseln ein Daheim

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Esther Squindo sorgt sich am Egolzwiler «Engelberg»
um geschundene und verstossene Langohren. 

«Du bist ein Esel!» Dieser Spruch, der für die meisten einer Beleidigung gleichkommt, ist für Esther Squindo (81) ein Kompliment. «Esel sind herzensgute Tiere», hält sie gegenüber den „Gipfelstürmern“ fest. Esther Squindo wohnt seit 1981 in einem mit viel Liebe zum Detail umgebauten Bauerngehöft am Egolzwiler «Engelberg». Sie ist eine Art Engel für Esel, die geschunden, gequält oder verstossen wurden. Um deren sechs kümmert sie sich derzeit.

Esther Squindo ist zudem Mitglied des Vereins «Esel in Not». Sie hat im grenznahen Engen-Welschingen (D) ein Eselheim für 60 Tiere mit ihrer eigenen Stiftung mitfinanziert.

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Zwischenhalt beim Klauenschneider – Zufälle gibts…

Er sitzt vor dem Stall, geniesst die Ruhe und den Schatten: Alfred Rösli (79), seit 1966 Bauer auf dem Hof „Waldacher“. Zudem ist er seit 1962 als Klauenschneider unterwegs, heute allerdings nur noch gelegentlich. Einst hatte er Kühe auf dem Gehöft, später Schweine. Heute weiden noch Pony Köbi und Pferd Cora.

Rösli kennt Journalist Bossart auf Anhieb, obwohl sie sich noch nie begegnet sind. „Am Modu a“ sei der „Gipfelstürmer“ der Sohn vom Schreiner Sepp aus Schötz, bemerkt Alfred Rösli. Und diesen kenne er bestens: „Ich habe in Sepps Garage zwischen 1962 und 1966 meinen VW-Chäfer gestellt. Zudem hat er unsere Küche umgebaut.“ Zufälle gibts…

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Alfred Rösli, „Waldacher“-Bauer und Klauenschneider.

Das Treffen in der Natur-Oase mit Franz-Xaver Kaufmann

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Franz-Xaver Kaufmann in der Sandgrube: «Ein grösserer Pflegeeingriff soll das Freiluftschulzimmer wieder aufwerten.» 

Wir kommen ausser Atem, denn es geht steil vom Wauwiler Schulhaus den Wanderweg hoch zur sogenannten „Sandgrube“. Hier, wo einst bis acht Tonnen Sand pro Tag in Handarbeit abgebaut wurden. Rohstoff für die Glasproduktion. Eine Seilbahn transportierte den Sand zur Glashütte. Später stand hier ein riesiger, knapp 2-Millionen-Liter-Öltank, welcher die Glashütte für Notzeiten vorsorglich errichtete, aber nie genutzt wurde. Nach dem Aus der Glashütte erwarb die Gemeinde die Sandgrube. Vor zwei Jahrzehnten wurde der Lebensraum aufgewertet. «Mit der Felswand, dem angelegten Weiher sowie Wald und Hecken entstand ein vielfältiges Natur­idyll», erläutert uns Franz-Xaver Kaufmann, Projektleiter des Vernetzungsprojekts Santenberg. Etwa für Erdkröte, Ringelnatter, Feuersalamander oder Fledermäuse. Im Laufe der Jahre ist die Oase verbuscht. Gemeinde und Navo Wauwil-Egolzwil wollen sie wieder aufwerten. Im Herbst, so Kaufmann, ist ein Holzschlag geplant. Danach soll die Sanierung des Teichs erfolgen. «Samt baulichen Massnahmen, die eine einfachere Pflege ermöglichen.»

 

Für Kanalreiniger sind Feuchttücher der Gipfel

Wir treffen zwei Mitarbeiter des Reinigungsdienstes von Vonwyl Ettiswil, die im Wauwiler Schulhausneubau Leitungen spülen: Miles Torba und Sami Keljmendi. Was ist für sie der Gipfel von Nachlässigkeit, der immer wieder für Probleme bei der Abwasserbeseitigung sorgt? „Feuchttücher. Sie gehören nicht in den Abfluss, weil sie die Pumpen verstopfen.“

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Miles Torba (links) und Sami Keljmendi.

Schulhauswart Estermann freut sich auf das Einweihungsfest

Während die Schüler Ferien machen, ist er am Arbeiten: Thomas Estermann, der an der Wauwiler Schule die Informatik betreut und seit einem Jahr auch als Hauswart amtet. Die letzten Monate seien streng gewesen, meint er und erinnert an den Erweiterungsbau, die Umbauten und die Errichtung des neuen Spielplatzes. „Partizipation“ sei an der Schule Wauwil kein Fremdwort. „Schüler, Lehrpersonen, Hauswart-Team und Eltern wurden von Beginn weg mit einbezogen. Alle haben am gleichen Strick gezogen. Das hat sich ausbezahlt.“ Gross sei seine Vorfreude auf das Eröffnungsfest vom 2. September.

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Thomas Estermann mit Gipfeli vor dem neuen Spielplatz.